Erfahrungsberichte

Silja Döring – Bolivien

Im folgenden berichtet eine unserer Freiwilligen Silja von ihrer Zeit in der Einsatzstelle Hermann Gmeiner in Bolivien. Vorneweg möchten wir darauf hinweisen, dass dieser Bericht Eindrücke von Silja über ihren Freiwilligendienst in Santa Cruz widerspiegelt.Diese Eindrücke sollen dazu verhelfen, eine Vorstellung darüber zu bekommen wie das Leben in Santa Cruz sein kann. Wichtig hierbei ist es, nicht aus den Augen zu verlieren, dass dieser Bericht subjektiv ist und das Leben von Silja aus ihrer Sicht in der Gemeinde in Santa Cruz widerspiegelt.

Liebe Familie, Freunde und Spender, 08.Juni 2019

Für mich war es ein sehr spannendes, aber auch anstrengendes Osterfest mit vielen Aktivitäten. Begonnen hat es am Palmsonntag. Die Kirche wurde aufwendig mit riesigen Palmenzweigen geschmückt und alles wurde festlich hergerichtet. Am Nachmittag fand eine Romería juvenil (Festzug durch die Straßen zur Verehrung der Schutzpatronin) statt, an der hunderte Jugendliche teilgenommen haben. Feierlich wurde die Virgen durch die Straßen getragen und es wurde an mehreren Stellen Halt gemacht. Dort haben die Jugendlichen das Evangelium vorgetragen und dargestellt. Ich habe gemeinsam mit meiner Jugendgruppe getanzt, als Symbol der Freude. Mit meiner Musikgruppe haben wir die Leute über Lautsprecher motiviert und animiert mitzumachen. Die Stimmung war richtig gut, es wurde gefeiert und alle haben sich amüsiert. Mir hat es so viel Spaß gemacht und ich fand es schön die Begeisterung der Jugendlichen zu sehen und mit ihnen zu teilen. Als Abschluss gab es einen Gottesdienst, mit dem wir in die traditionelle Semana Santa gestartet sind.

Am Donnertag haben wir das letzte Abendmahl gefeiert und nach der Messe gab es für alle süßes Brot und Trauben. Karfreitag isst man ja bekanntlich kein Fleisch und da Fisch hier sehr teuer ist, gibt es traditionellerweise carbonada de zapallo. Das ist eine Art Kürbiseintopf mit Mais und Käse serviert mit Reis. Das ist mit zu meinen Lieblingsgerichten der bolivianischen Küche geworden.

Pan dulce am Gründonnerstag
Carbonada de zapallo an Karfreitag

Am Nachmittag startete die Gemeinde den Kreuzweg durch die Straßen. Endstation war das Pfarreigelände, wo eine Zelebration im Freien abgehalten wurde. Das Evangelium wurde von einer Theatergruppe dramaturgisch dargestellt. Durch die realnachgestellte Auspeitschung Jesus, die verzweifelten Schreie der Frauen und die Nagelung ans Kreuz wurde man sehr in die Situation vor über 2000 Jahren hineinversetzt. Das war wirklich emotional und dramatisch. Mit meiner Musikgruppe haben wir das Szenario musikalisch untermalt. Es herrschte echt eine bedrückende Stimmung an diesem Abend. Doch zum Glück folgte am nächsten Abend die traditionelle Vigilia de Pascua (Osterwache). Es wurde ganz viel gesungen und mit dem Gloria, das von den Schwestern gestanzt wurde, wurde Ostern eingeläutet. Es war ein sehr fröhlicher Gottesdienst und nach dem Segen hat sich die Kirche in eine Disco verwandelt. Das war wirklich unglaublich. Alle Jugendlichen sind nach vorne geströmt, es wurde getanzt, gehüpft, gesungen, geklatscht, als Polonaise durch die Kirche gerannt, gelacht und gefeiert. Für mich war es ein einmaliges Erlebnis. In dieser Form habe ich Kirche in Deutschland noch nicht erlebt.

Nach der erlebnisreichen Nacht bin ich am Sonntagmorgen mit meinen Freunden Joeser und Jenny auf ihr Grundstück ins Campo gefahren. Die Schwestern waren auch dabei. Als erste große Hürde stand die Überquerung des Flusses Piraí an. Die Strömung war ziemlich stark und wir mussten mitten im Fluss aussteigen und den Jeep kräftig anschieben. Letztendlich sind wir gut angekommen und wurden mit einem großen Mittagessen willkommen geheißen. Dann ging es zur Abkühlung in den Fluss und danach auf die riesige Mandarinen und Orangenplantage der Familie. Wir haben ordentlich gepflückt und natürlich gegessen. Die Früchte frisch vom Baum schmecken doch immer noch am besten!