Corona-Krise weltweit: Alle Freiwilligen 19/20 wieder zurück

Ende März sind alle Freiwilligen, die letztes Jahr im September ausgereist sind, gesund und sicher zurück nach Deutschland gekommen. Aufgrund der Coronakrise mussten die jungen Frauen ihren weltwärts-Dienst frühzeitig abbrechen. Johanna, die in Bolivien eingesetzt war beschreibt ihre Gefühlslage nach Eingang der Rückkehraufforderung wie folgt: „Julia und ich riefen also bei unserer Organisatorin an und wie mein Magen es mir prophezeit hatte, waren es schlechte Nachrichten. Nein, nicht schlechte, sondern katastrophale Neuigkeiten, die uns am Telefon mitgeteilt wurden. Wir müssen nach Deutschland zurück – Anweisung der Regierung – alle Freiwilligen auf der ganzen Welt werden zurück gebracht – so bald wie nur möglich.“ Diese Entscheidung, die das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit am 16.03.2020 getroffen hat, war zunächst ein Schock für jede Einzelne von ihnen. Die einen mussten unverzüglich ihre Koffer packen und in die Nähe des Flughafens reisen, die anderen konnten noch einige Tage in ihrer Einsatzstelle verbringen und von dort auf einen möglichen Rückflug warten.

Johanna und Julia konnten über die Rückholaktion der deutschen Bundesregierung von Bolivien aus nach Hause gebracht werden, nachdem alle regulären Flugverbindungen von einem Tag auf den anderen gestrichen wurden. Johanna berichtet nach der Rückkehr: „Der Tag war lang und nervenaufreibend gewesen und nach dreizehn Stunden Flug waren wir alle froh, in Frankfurt gelandet zu sein und auf deutschem Boden zu stehen. Auch wenn unsere Gedanken noch in Bolivien fest hingen und alles hier [in Deutschland] so komisch vertraut und doch so fremd war.“

Das Ankommen hier in Deutschland ist für keine der Freiwilligen einfach. Ihnen alle fehlt die Zeit des Abschiednehmens und das Einstellen auf die Rückkehr. „Uns wurden die schönsten Monate des gesamten Dienstes genommen“, berichtet eine Freiwillige, die ihren Dienst in Tansania gemacht hat und sich noch so einiges vorgenommen hatte. Die meisten waren gerade so richtig angekommen, haben die Sprache besser verstanden, enge Freundschaften geknüpft und in ihrem Einsatzort eine zweite Heimat gefunden. Der Abschiedsschmerz sitzt tief – die weitere Begleitung nach der Rückkehr ist nun besonders wichtig.

In einem virtuellen Rückkehrseminar haben sich die beiden Referentinnen Mirjam und Steffi über 3 Tage hinweg mit den Freiwilligen online getroffen und begleiten sie auch weiterhin in 14-tägigen Online-Treffs. Hier wird sowohl inhaltlich weiter an Themen wie z.B. dem Re-entry-Schock (Rückkehrschock) oder aber auch an Engagementmöglichkeiten hier in Deutschland gearbeitet. Außerdem dienen diese Treffs dazu, sich weiterhin mit denjenigen Menschen auszutauschen, die ähnliches erlebt haben und einen verstehen. Trotz des abrupten Abbruchs und den entgangenen 5 Monaten im Ausland sind alle Freiwilligen im Nachhinein sehr dankbar für die Gelegenheit, eine solch wertvolle Erfahrung gemacht zu haben. Die Erfahrungen, Erlebnisse und Begegnungen, die sie in ihren Einsatzländern machen durften kann ihnen niemand mehr nehmen und sie halten nun so gut es geht Kontakt zu ihren Einsatzstellen im Einsatzland.

Besorgt schauen sie nun auf die Situation in Ländern des globalen Südens. Die Lage in den Einsatzländern spitzt sich immer weiter zu. Die Regierung in Südafrika hat bereits Ende März einen totalen Lockdown veranlasst. In Bolivien wurden zunächst öffentliche Einrichtungen geschlossen und Ausgangssperren verhängt. In Brasilien verschlimmert sich die Lage tagtäglich dramatisch. Und auch Tansania befindet sich im Ausnahmezustand. Über die Kooperationspartner*innen und auch über das Büro des Weltfreiwilligendienstes sind die Akteur*innen des weltwärts-Programmes nach wie vor gut vernetzt und halten stetig Kontakt in die Einsatzstellen. Wann ein nächster Freiwilligen-Jahrgang entsendet werden kann, ist momentan nicht absehbar. Entscheidend ist zunächst, die Krise weltweit in den Griff zu bekommen.

Es gilt nun vor allen Dingen weltweit zusammenzustehen und einander zu helfen das Virus einzudämmen und dagegen anzukämpfen. Sei es die gerechte Verteilung von Schutzmaterialien, Aufklärungsarbeit oder Unterstützung bei der Bewältigung von entstehenden Notlagen insbesondere für Länder des globalen Südens. Diese Krise kann nur gemeinschaftlich überwunden werden. Umso wichtiger ist es jetzt, ein Bewusstsein für globale Zusammenhänge zu schaffen und auch an Länder und Menschen zu denken, für die die Corona-Krise deutlich drastischere Folgen haben wird, als für viele Menschen hier in Deutschland. Als Zeichen der Solidarität mit den Menschen weltweit haben die Freiwilligen und die Referentinnen Kerzen entzündet und die Menschen in den Einsatzländern in ihre Gedanken einbezogen.

Bericht aus dem Sonntagsblatt:

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